Mai

Der Mai-Blog von Christoph Thoma

Umdenken bei den Grazer Spielstätten

Minus 6% bei den Subventionen der Stadt Graz und des Landes Steiermark gegenüber der Saison 2010/11 bedeuten für die Grazer Spielstätten eine Neuausrichtung des künstlerischen Profils ab Herbst 2011. Denn die Kürzungen betreffen in erster Linie die flexiblen Budgetposten Programm und Marketing.

Die Grazer Spielstätten haben in der seit Oktober 2008 laufenden Intendanz von Christoph Thoma zahlreiche Initiativen im Bereich der kulturellen Bildung mit einem Schwerpunkt auf „Musikvermittlung" gesetzt.

Von Anfang an wurden neue Wege beschritten, sei es im Hinterfragen des eigenen Tuns oder durch die Implementierung neuer Formate, etwa in Form partizipativer Kunstprojekte. Im vergangenen Jahr konnte ein kreatives Kunstprojekt mit Tischler-Lehrlingen der Landesberufsschule Fürstenfeld realisiert werden. Für die Grünfläche des Kulturcafés im Orpheum wurden kunstvolle Sitzmöbel produziert und der Öffentlichkeit übergeben.

Ein partizipatives Kunstprojekt mit dem Titel „Young Active Music" mit Jugendlichen des YAP (Young Acitive People), einem Kulturzentrum der Stadt Graz, das direkt neben dem Grazer Orpheum liegt wurde in den letzten Monaten realisiert. Young Active People befindet sich mitten im sozialen Brennpunkt von Graz. Gries und Lend gehören zu jenen Stadtteilen, die eine hohe Migrationsdichte aufweisen. Jugendliche mit Migrationshintergrund, in erster Linie aus den Bezirken Gries und Lend, verbrachten hier mehrere Stunden am Tag. Integration ist bekanntlich in einem bloßen Nebeneinander nicht möglich. Im Gegenteil: Integration funktioniert nur mit viel Engagement und Kraft. Daraus kann kulturelle Kommunikation entstehen. „Young Active Music" soll das gesellschaftliche Potenzial einer Kooperation zwischen Kunst- und Sozialeinrichtungen aufzeigen.

Schwerpunktbildungen dieser Art werden ab der kommenden Spielzeit nicht mehr aus dem Programmbudget realisiert werden können. Von den Kürzungen betroffen sind auch Veranstaltungen wie das Symposium mit der Jazzwerkstatt Graz, das im April das die Präsentation der Jazzwerkstatt Graz 2011 im April begleitet hat, oder das Kasematten-Opening, das bereits 2011 nicht mehr stattfinden kann. Auch Koproduktionsmöglichkeiten sind durch diese budgetären Veränderungen betroffen. „Der magische Klang und die Schurken", eine Koproduktion mit der Philharmonie Luxembourg, den Bregenzer Festspielen und der Jeunesse Österreich, wird das vorläufig letzte Musiktheaterprojekt für junges Publikum sein, das die Grazer Spielstätten lancieren können. Premiere ist im Juli 2011 in Bregenz.

Aber: Jede Veränderung bedeutet auch eine Chance, sein eigenes Tun zu hinterfragen. Kooperationen müssen genauer definiert und verstärkt in Programmüberlegungen aufgenommen werden - auch im Wissen, dass dadurch neue Netzwerke entstehen und Synergien entstehen können.

Seit Jänner 2011 wird dieser Paradigmenwechsel in den Grazer Spielstätten von einem neuen Vertriebskonzept unterstützt. Die Grazer Spielstätten präsentieren sich auch als Ort für Wirtschaftspartner, als ein Ort der Begegnung, in dem sich die Wirtschaft der Kunst und dem Individuum annähern und auf diese Weise die wirtschaftliche Kraft aus einem neuen Blickwinkel betrachten kann.

Kürzungen müssen als Chancen erkannt werden. Nur dann kann Kunst auch weiterhin den Menschen, folglich unserem Publikum auf höchstem Niveau angeboten werden.


Kommentare, Fragen, Feedback an den Autor: christoph.thoma@spielstaetten.at

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